Irgendwann nach der Hochzeit landet das Kleid in einer Schachtel. Der Strauß steht noch ein paar Tage auf der Fensterbank, dann wird er weggeworfen oder trocknet still vor sich hin, bis er irgendwann entsorgt wird. So läuft es bei den meisten. Und es ist seltsam, wenn man kurz darüber nachdenkt – weil beides zu den teuersten und emotionalsten Entscheidungen des gesamten Hochzeitstages gehört.
Für das Kleid gibt man im Schnitt zwischen 1.500 und 3.000 Euro aus. Für den Strauß nochmal 150 bis 400. Getragen bzw. gehalten: einen Tag. Danach: unklar.
Das muss nicht so sein. Und es gibt inzwischen konkrete Antworten auf beide Fragen – keine theoretischen Konzepte, sondern Angebote, die es wirklich gibt.
Das Kleid
Wer sich mit dem Thema Brautmode beschäftigt, stößt früher oder später auf eine unangenehme Zahl: Etwa 70 Prozent der klassischen Brautkleider werden in Asien produziert, oft ohne transparente Angaben zu Arbeitsbedingungen oder verwendeten Materialien. Das Kleid sieht im Laden schön aus. Woher es kommt, steht meistens nirgendwo.


Foto: Julian Artner
Hinzu kommt das eigentliche Problem: Das Kleid ist für genau einen Anlass gemacht. Nicht weil es nicht anders ginge – sondern weil es so entworfen wurde. Ein Meerjungfrauenkleid in Elfenbein lässt sich schlecht beim nächsten Geburtstag tragen. Das ist kein Zufall, das ist Absicht.
Designerin Laura von Herz und Seele by Laura (herzundseelebylaura.de) in der Nähe von Nürnberg hat ihr Label mit genau dieser Kritik im Kopf aufgebaut. Ihr Ansatz: Mix-and-Match-Teile, die in Franken gefertigt werden. Die eigene Kollektion entsteht vor Ort – Oberteile mit Bio-Baumwolle, Röcke mit Viskose. Nicht jedes Material ist per se nachhaltig, aber das Label achtet darauf, wo es geht. Daneben gibt es im Sortiment auch andere Designer, die großteils in Deutschland fertigen. Keine fertigen Kleider von der Stange, sondern Kombinationen – ein Oberteil mit diesem Rock, eine Hose mit jenem Body. Was bei der Hochzeit zusammengetragen wird, funktioniert danach auch einzeln: der Body zum Jahrestagsessen, die Hose zum nächsten Abendtermin.



Foto: Juliane Kaeppel
Das klingt erstmal nach einem Kompromiss. Ist es aber nicht. Die Teile sehen nicht aus wie umfunktionierte Brautmode – sie sind von Anfang an so gedacht. Und wer einmal in einer Anprobe bei Laura war, kommt selten mit dem Gefühl raus, irgendetwas aufgegeben zu haben. Eher im Gegenteil.
Ab etwa 1.500 Euro beginnen die Outfits, nach oben geht es bis rund 3.000 Euro. Für Nürnberg, Würzburg und Umgebung lohnt sich ein Termin.


Foto: Julian Artner
Der Strauß
Beim Strauß ist die Lage schwieriger. Ein Kleid kann man umschneidern, tauschen, weitergeben. Blumen nicht. Sie leben, und dann leben sie nicht mehr – das ist ihr Wesen.
Die häufigste Form, einen Strauß zu behalten, ist das Lufttrocknen. Man hängt ihn kopfüber auf, wartet ein paar Wochen, und hat dann etwas, das dem Original vage ähnelt. Die Farben verblassen. Die Blüten schrumpfen. Nach ein paar Jahren sieht es aus wie ein alter Strauß, nicht wie der eigene von damals.


Es gibt eine bessere Methode: Gefriertrocknung. Das Prinzip ist dasselbe wie bei Lebensmitteln – das Wasser wird entzogen, aber nicht durch Wärme, sondern durch Unterdruck bei sehr niedrigen Temperaturen. Bis zu -28 Grad. Dadurch bleiben Zellstruktur, Form und Farbe erhalten, wie sie waren. Der Haken: Das geht nicht zu
Hause. Man braucht eine Gefriertrocknungsanlage, die entsprechend kostet und Platz braucht.
Genau das machen wir bei Flomory in Leipzig – als einziger Anbieter in Deutschland, der Brautsträuße ausschließlich mit dieser Methode konserviert. Der Ablauf dauert mehrere Wochen: drei Tage trocknen bei -28 Grad, dann bereiten wir jede einzelne Blüte auf und gleichen die Farben an, danach kommt das Harz – fünf Schichten, jede braucht drei Tage zum Aushärten. Zum Schluss wird geschliffen und poliert. Pro Strauß stecken rund zehn Stunden Handarbeit drin.
Was am Ende rauskommt, sind keine Andenken, die man irgendwann wegwirft. Harzblöcke in verschiedenen Formen, gepresste Arrangements hinter Glas, Schmuckstücke mit einzelnen Blüten. Dinge, die in zwanzig Jahren noch genauso aussehen wie heute. Ob man das ein Familienerbstück nennt oder einfach ein gutes
Objekt – das muss jeder selbst entscheiden.



Warum beides zusammenhängt
Kleid und Strauß werden bei der Hochzeitsplanung als zwei völlig getrennte Themen behandelt. Das eine ist Mode, das andere Floristik. Dabei ist die Grundfrage dieselbe: Was passiert damit, wenn der Tag vorbei ist?
Wer das vorher durchdenkt, kauft anders ein. Nicht unbedingt günstiger – aber mit mehr Gegenwert für das, was man ausgibt. Ein Outfit, das danach noch getragen wird. Ein Strauß, der nicht auf dem Kompost endet.
Nachhaltigkeit klingt bei Hochzeiten oft nach Einschränkung. Dabei geht es eigentlich nur darum, dass der Aufwand länger anhält als einen Tag.
Brautstraußkonservierung per Gefriertrocknung: flomory.de
Nachhaltige Brautmode, gefertigt in Franken: herzundseelebylaura.de

